Amateurfunk zwischen Wurst und Wellen: Ein Blick nach Borken

Amateurfunk zwischen Wurst und Wellen: Ein Blick nach Borken

In einer Zeit, in der die Kommunikation scheinbar mühelos über Glasfasernetze und Satelliten läuft, gibt es Orte wie Borken, wo der Drahtfunk nicht nur lebt – sondern grillt. Der Ortsverband Borken (N23) des Deutschen Amateur-Radio-Clubs (DARC) pflegt ein Clubleben, das zwischen Antennenbau, Diplomarbeit und Grillfesten oszilliert. Eine westfälische Melange aus Technikbegeisterung, sozialem Kitt und handfester Bastelarbeit.

Der Terminkalender des OV Borken liest sich wie das Bulletin einer kleinen Republik mit eigener Frequenzpolitik. Bereits im Februar läutet ein geselliges Abendessen die Saison ein. Im März wird ausgemistet – Antennen und Altgeräte inklusive. Im April werden Bestände durchstöbert, im Mai der Grill gezündet. Und für den Sommer? Da ist am 19. Juli eine „Sommersause“ geplant – mit Radtour, Bratwurst und obligatorischem Antennensmalltalk. Clemens DL5YAF, Gastgeber der Veranstaltung, musste leider absagen, doch der OV Borken zeigt sich unbeeindruckt. Ein Antennenstecker mag abbrechen – das Signal bleibt stabil.

Technisch ist man im OV Borken keineswegs stehen geblieben. Ganz im Gegenteil: Die Entwicklungen rund um das digitale SDR-Plattformprojekt „ADALM-PLUTO“ sowie Experimente mit Meshtastic-Firmware auf ESP32-Boards zeigen, dass Amateurfunk keineswegs eine nostalgische Spielerei ist. Stattdessen wird hier an zukunftsfähiger, stromsparender Kommunikation gearbeitet – auch dort, wo Mobilfunknetze versagen. Die Aktivitäten rund um LoRa-Mesh-Netze und SDR-Signalketten zeigen: Der OV Borken spricht nicht nur über Technik, er macht sie greifbar.

Bemerkenswert ist dabei die technische Tiefe, mit der der Ortsverband etwa den Betrieb des lokalen Relais DB0BOR modernisiert hat. Mit einem GMSK-Shield und einem AMBE3000-Vocoder gelingt die digitale Sprachübertragung über DMR und D-Star. Ein Projekt, das aufzeigt, wie Software, Hardware und Funk in Einklang gebracht werden können – ganz ohne kommerzielle Infrastruktur.

Der Club hebt sich zudem durch kontinuierliche Weiterbildung ab. Mit Veranstaltungen zu Antennenplanung, Packet Radio, Satellitenfunk über QO-100 oder 10-GHz-Transceivern wird technisches Wissen generationsübergreifend vermittelt. Die Cordula-Schule bietet dafür regelmäßig einen Raum – und damit ein Fenster zur Welt.

Doch der OV Borken ist nicht nur Techniklabor. Er ist auch soziale Heimat. Die Teilnahme am Ehrenamtstag der Stadt Borken ist Ausdruck bürgerschaftlichen Engagements – mit Grillzange und DARC-Shirt gleichermaßen. Wenn dann wie am 24. August 2023 der Park nach Bratwurst duftet, präsentieren sich die Funkamateure als verlässlicher Partner im kommunalen Miteinander.

Natürlich ist nicht alles nur Sendefrequenz und Sonnenschein. Auch in Borken gibt es Kommunikationspannen. Ein öffentlicher Irrtum über vermeintliche Hackerangriffe in internen Chatkanälen erforderte eine öffentliche Entschuldigung. Der transparente Umgang damit zeugt von der selbstreflexiven Kultur innerhalb des Ortsverbands.

In einer Ära, in der Netzwerke oft virtuell bleiben, ist der OV Borken ein reales Netzwerk. Seine Mitglieder treffen sich regelmäßig auf der Wiese, am Basteltisch, in der Küche oder auf dem Fahrrad. Das Gemeinschaftsgefühl ist dabei kein Beiwerk, sondern Fundament.

Der Ortsverband Borken zeigt: Amateurfunk ist nicht retro – sondern resilient. Und er beweist, dass man sich auch 2025 noch für Transceiver, Trafos und Telegrafie begeistern kann. Vorausgesetzt, der Grill ist heiß.

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