Inmitten der lippischen Hügellandschaft, zwischen Fachwerkhäusern und Technologiekonzernen, sendet der Ortsverband Lemgo (N26) des Deutschen Amateur-Radio-Clubs ein leises, aber beständiges Signal: Hier zählt nicht der schnelle Erfolg – sondern die Ausdauer.
Treffpunkt ist die „alte Schule“ im Entruper Weg 202, ein Gebäude, das so viel Geschichte wie Frequenzwissen in sich trägt. Die Amateurfunker von Lemgo versammeln sich am ersten Freitag im Monat – es sei denn, ein Feiertag funkt dazwischen. Dann verschiebt man sich pragmatisch um eine Woche. Bei verschlossener Tür genügt ein Druck auf die Klingel „Amateurfunk“. Zugangscode zur Welt inklusive.
Doch die wahren Geschichten entstehen nicht bei der Tür, sondern am Funkgerät. Im August 2024 wurde ein Mann geehrt, der für den OV Lemgo mehr geleistet hat als so mancher Vorstand für seinen Konzern: Dieter Fischer, DK1YP, seit über fünf Jahrzehnten QSL-Manager, Funker, Prüfer und Sammler – ein lebendiges Archiv auf zwei Beinen.
Am 8. Januar 1971 begann Dieters offizielle Amtszeit, damals noch als „QSL-Vermittler“. In einer Ära, in der das Wort „Cloud“ noch ausschließlich meteorologischen Zwecken diente, wickelte er den Austausch physischer QSL-Karten ab – manuell, geduldig, international. Selbst während eines Aufenthalts in Brasilien blieb er Prüfer des „Deutschland-Diploms“ und ersparte Antragstellern den Rückversand über den Atlantik. In Sachen Logistik hätte ihm Amazon nichts vormachen können.
Über 330 Länder und Gebiete hat DK1YP per Funk kontaktiert – ein Diplom für jede Verbindung, und mehr als 150 davon schmücken heute seine Sammlung. Seine Mitgliedschaft bei der DIG (Diplom Interessen Gruppe) währt bereits ein halbes Jahrhundert – Beständigkeit ist hier keine Tugend, sondern ein Lebensstil.
Doch es ist nicht nur Nostalgie, die Lemgo bewegt. Jeden Dienstag um 19:30 Uhr versammelt sich der Ortsverband zur Funkerrunde auf 145,275 MHz. Dort wird nicht nur über Technik gesprochen, sondern über Gemeinschaft, Gesellschaft – und ja, manchmal auch über das Wetter.
In einer Ära, in der Frequenzbänder zunehmend digitalen Zwecken weichen müssen, beweist Lemgo: Funkamateure sind keine Relikte – sie sind stille Architekten einer analogen Welt, die sich nicht so leicht abschalten lässt.
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