Funkgeschichte zum Leben erweckt: Der Ortsverband Kirchheim unter Teck (P35)

Funkgeschichte zum Leben erweckt: Der Ortsverband Kirchheim unter Teck (P35)

– Wie eine Gruppe von Funkpionieren die Kommunikation im Nachkriegsdeutschland prägte


【Zeitdokument】Von der Not zum Hobby: Die Geburtsstunde des OV Kirchheim

In den Trümmern des Jahres 1947, als Deutschland noch in Schutt und Asche lag, fanden sich in Kirchheim unter Teck eine Handvoll technikbegeisterter Männer zusammen. Ihr Ziel: Der legale Amateurfunk – ein Lichtblick in dunklen Zeiten.

Am 18. Januar 1947 wurde der Ortsverband Kirchheim-Nürtingen im Gasthaus Germania gegründet, einer der ersten Funkzirkel Württembergs. Richard Koch, der erste Vorsitzende, und seine Mitstreiter reparierten in der Radiowerkstatt Kälberer nicht nur Geräte, sondern knüpften auch die ersten drahtlosen Verbindungen in die Welt.


【Historische Wegmarke】Die offizielle Gründung von P35

Es dauerte fast 25 Jahre, bis Kirchheim seinen eigenen Ortsverband bekam. Am 25. Juli 1971 versammelten sich 21 Mitglieder – darunter sieben mit Sendelizenz – im Teckkeller:

  • Hellmuth Hauschild (DC8TM, heute DH2SAB) wurde zum ersten OVV gewählt.

  • Wolfgang Malz (DF3SZ) und Adolf Koch (DK8SS) gehörten zu den treibenden Kräften.

  • Das legendäre Foto der Gründungsversammlung (siehe oben) zeigt die Pioniere mit selbstgebauten Röhrengeräten.

„Wir funkten damals mit 10-Watt-Sendern aus Wehrmachtsresten“, erinnert sich Gründungsmitglied Arno Kirchner (DL3IV). Sein VW-Käfer mit Mobilfunkstation (Foto rechts) war in den 1970ern eine Sensation.


【Technikarchäologie】Vom Feldtag bis zur Hobbyausstellung

Fieldday 1972: Abenteuer unter freiem Himmel

Die historischen Schwarz-Weiß-Fotos zeigen, wie die Mitglieder 1972 mit selbstgeschnitzten Masten und militärischen Feldkabeln eine provisorische Station aufbauten. „Bei Regen klebten die Schaltpläne an den Knien“, lacht ein Zeitzeuge.

Fasching 1979 & Hobbyausstellung 1987

Der Club war nie nur Technikverein:

  • Beim Funkfasching verkleideten sich Mitglieder als „walking antennas“.

  • 1987 präsentierte man in Erkenbrechtsweiler selbstgebaute Antennen – darunter eine 3-Element-Yagi aus Dachlatten.


【Die moderne Ära】Digitalisierung und Jugendarbeit

Seit 1998 führt Manfred Brenner (DL4SCZ) den OV durch die digitale Revolution:

  • DB0TEK-Relais: Die 70-cm-FM/DMR-Station auf der Burg Teck verbindet heute ganz Württemberg.

  • Jugendprojekte: Arduino-Workshops und „Funkflöhe“-Kurse begeistern den Nachwuchs.

„Unser April-Fieldday 2025 im Teckblick wird hybrid – analoge Sender, digitale Auswertung“, kündigt der aktuelle OVV an.


【Besuchertipp】Wie Sie P35 erleben können

  • Clubabend: Jeden 2. Donnerstag im Monat im Hotel Teckblick (Dettingen).

  • Museumsfunk: Das historische Equipment von DL3IV ist nach Vereinbarung zu besichtigen.

„Funkgeschichte ist lebendig – wir tragen sie im Ohr.“ – Martin Oppolzer (DK6MO), ehem. OVV


© DARC-Archiv | Fotos aus der Sammlung DL3IV
Nächste Station: Der Ortsverband feiert 2026 sein 55-jähriges Jubiläum mit einer Sonderausstellung im Kirchheimer Stadtmuseum.

【Funksprüche zum Mitnehmen】

  • 145.650 MHz: DB0TEK-Relais (Teck)

  • 430.275 MHz: OV-Frequenz für Gäste

  • Web: www.darc.de/p35


(Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel kombiniert Archivmaterial mit aktuellen Interviews. Originaldokumente sind im DARC-Museum in Baunatal einsehbar.)

„CQ CQ de P35 – wir hören Sie loud and clear!“

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